Krimi-Projekt: „Linsen, Spätzle. Tod“

Kochen und Wein waren meine Themen in der Buchreihe „Winzerküche“, die mit den Bänden Baden, Württemberg und Franken erschienen ist. What next? „Linsen, Spätzle. Tod“ heißt mein erster Krimi. Um was geht es in dem Buch? Hier der  vorgesehene Klappentext:

Alexander Hochreiter ist ein zynischer, alleinstehender Ex-Polizeireporter Anfang 50, der sich mit banalen Gelegenheits-Ermittlungen in Stuttgart geradeso über Wasser hält. An einem verkaterten Sonntagmorgen weckt ihn in aller Frühe ein Anruf aus einem Dorf auf der Schwäbischen Alb, der sein sinnentleertes Leben völlig verändern wird: Ein berühmter Fernsehkoch beauftragt ihn, für 20.000 Euro seinen verschwundenen Freund zu suchen. Hochreiter ahnt nicht, dass es eine schmerzhafte Reise in die eigene Vergangenheit wird und er sich seinem schlimmsten Albtraum stellen muss.“

Die teils absurde, teils bitterböse Satire – auch auf die Flut sogenannter Regionalkrimis – nimmt die Medien und ihre Figuren gehörig auf die Schippe, amüsiert sich über Talkshowmaster und ihre Gäste, entlarvt TV-Kochshows als burleskes Clownstheater und berichtet mit schwarzem Humor von braunen Machenschaften.

Hier ein Auszug zum Anlesen:

Sonntag, 15. Juli, vier Uhr in der Frühe

 

Es war saukalt an diesem Morgen und nass war das Gras nicht vom Tau, sondern vom Regen, der letzten Abend mit leichtem Nieseln begonnen und die ganze Nacht mit seinem Tröpfeln nicht hatte enden wollen, als ob der Himmel inkontinent sei. Über den Wiesen hingen fette Nebelschwaden, die Luft roch erdig schwer nach Herbst. Dieser „Sommer“ war wirklich widerlich, viel zu kühl und viel zu feucht, … einfach krank. Klimaerwärmung? Nichts davon zu spüren, ganz im Gegenteil. Manchen konnte das aber egal sein. Dem da zum Beispiel, der vornüber auf einem leeren Bierfass hängend grotesk verkrümmt seinen nassen Lederhosenhintern in die Höhe streckte und sein Ziegenbartkinn in den Matsch hinter dem Festzelt bohrte.

Einsam war es auf dem Platz und allein war der Trachtenträger, abgesehen von den Schnecken, die die gleitgünstigen Witterungsverhältnisse für ihre hungrigen Ausflüge nutzten. Unter anderem von der matschigen Wiese über die Wange zum geöffneten Mund des Mannes, der hier lag, als ob er seinen Rausch ausschlief. Die fast durchsichtigen Fühler der prächtigen Alb-Weinbergschnecke legten sich vorsichtig auf die Lippen des Menschen, der hier noch vor wenigen Stunden gemeinsam mit Tausenden anderen ein Fest gefeiert hatte, ja selbst gefeiert wurde als „Stargast aus Stuttgart“, „Kochgenie und Showmaster“, „Freund und Förderer der Alb“ und wie sie ihn sonst noch hochgeschrieben hatten in den regionalen Zeitungen und hochjubelten im Fernsehen.

Dort war er unter der Woche täglich mit seiner Castingshow „Deutschland sucht den Superkoch“ zu sehen. Außerdem mischte er immer mittwochs mit einer Truppe weiterer ziegenbärtiger TV-Kochclowns die Restaurantszene auf, indem er mit einem ganz fies in schwarz und gelb lackierten Militär-Truck der Marke „Hummer“ – seinem sogenannten „Feuersalamander“, dem Namensgeber der gleichnamigen Dokuküchensoap – unangemeldet vorfuhr, Essen bestellte und die Wirte dann vor laufenden Kameras und unter dem höhnischen Gelächter seiner Kochkumpel-Truppe fertig machte. „Ich hab´ schon lange nach Schuhsohlen gesucht, die wirklich halten, das hier könnte die Lösung sein!“ Ja, so liebte ihn sein Publikum: Schlagfertig und mit kräftigen Worten, wie ein Peter „Superstarsucher“ Planken der TV-Koch-Szene.

Bei seinen Auftritten sah er aus und führte sich auf wie ein dickes Rumpelstilzchen auf Droge: Glatze kombiniert mit Chinesenzopf und kinnlange dünn ausrasierte Koteletten, Kaiser-Wilhelm-Schnauzer und brustlangem Flecht-Goatie, triviale Tribal-Tatoos an den Armen und an anderen – zum Glück verdeckten – Stellen, dicke Nerdbrille mit Lupengläsern, die ihn wie eine Eule mit weit aufgerissenen riesigen Augen glotzen ließen und auf dem speckig glänzenden Kahlschädel ein pinkfarbenes Piratentuch, um den dicken Bauch ein grellbuntes Hawaihemd und an den Stampferbeinen schockfarbene Glanz-Bermudas, dazu wegen des erbsengroßen Zungenpiercings lispelnd „dadz hier könnte die Lödzung dzein oder wadz meint Ihr?“ und dann auch noch immer wieder verfallend in den polternd harten Albdialekt des kleinen Dorfes aus dem er stammte „ottrrr waatz moint Irr“ und dessen Festplatz er jetzt mit seiner Anwesenheit zierte: Martin Bachel, 165 cm klein, dafür aber etwa 95 Kilo schwer, 45 Jahre alt, gelernter Koch und heutiger Fernsehstar, der sich neuerdings „Martäh Baschäll“ nennen ließ, wegen seiner großen gallischen Sternekoch-Vorbilder, seiner Liebe zur französischen Küche überhaupt und weil es ihm für seine eher frankophile als schwäbische Persönlichkeit „angemessen“ klang.

Um seine Verkörperung eines französisch inspirierten Meisterkochs zu vervollständigen, hatte er sich angewöhnt ohne Punkt und Komma näselnd und rasend schnell in einer Art Singsang zu sprechen und seine Gestik und Mimik dabei unterstützend einzusetzen. Die Augen weit aufgerissen und rollend formte er mit den Händen andauernd abstrakte Luftgemälde und hüpfte von Herd zu Herd wie eine Mischung aus Gummiball und Zappelphilipp. Zappelig war er schon als Kind, damals in den Siebzigern nannte man das aber noch nicht „ADS“ oder „hyperaktiv“ und statt Tabletten und Therapien gab es Schläge und Bettfesseln. Im Mittelpunkt stehen musste er schon wie zwanghaft in der Grundschule als Klassenkasper und seine Vorliebe für absurde Inszenierungen war legendär. So wie auch heute wieder. Wie aber war dieses seltsame Arrangement hier auf dem Festplatz zustande gekommen?

Der seit Anbeginn aller Zeiten berühmteste Sohn der Gemeinde Leiserheim lag leblos in seiner seltsamen Trachtenkostümierung zwischen den leeren Bierfässern hinterm Festzelt, weiße Pulverreste um die Nasenlöcher, eine fette Albschnecke auf dem dicken Brillenglas vor seinem linken geschlossenen Auge. Er war eingeladen als „der“ Showact für den Samstagabend der 1155-Jahr-Feier des Dorfes, aus dem er stammte und er hatte – der Sponsor langte noch einmal kräftig in die Tasche – erst nach einigem Zögern zugesagt. …“

Sachdienliche Hinweise,  Fragen oder Anrgeungen bitte an gdwulf@annidivini.com : )

 

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